Adaptives Yoga bei Querschnittslähmung: Wie du Körper und Geist verbindest
Adaptives Yoga zeigt uns, dass unsere Grenzen nicht unsere Möglichkeiten bestimmen. Es lädt uns dazu ein, unseren Körper so anzunehmen, wie er ist, ihn zu stärken und unsere innere Balance zu finden – unabhängig von äußeren Umständen oder körperlichen Voraussetzungen.
Dabei geht es nicht darum, einen perfekten Flow aus aneinandergereihten Bewegungen zu praktizieren oder Haltungen einzunehmen, die in unserer Gesellschaft als vermeintlich ideal oder erstrebenswert gelten. Vielmehr geht es darum, eine Verbindung zwischen Körper und Geist zu schaffen und herauszufinden, was für uns persönlich möglich ist.
Adaptives Yoga schafft Raum für Individualität. Jede Bewegung darf angepasst, verändert oder neu entdeckt werden. Ganz gleich, welche körperlichen oder persönlichen Herausforderungen uns begegnen: Im Mittelpunkt stehen unsere Möglichkeiten, unsere eigenen Bedürfnisse und ein achtsamer Umgang mit unserem Körper.
Was genau ist adaptives Yoga?
Adaptives Yoga (oft auch barrierefreies Yoga oder Yoga für Menschen mit Behinderung genannt) ist eine Yoga-Praxis, die speziell auf die individuellen körperlichen Gegebenheiten der Praktizierenden zugeschnitten wird.
Traditionelle Asanas (Yoga-Haltungen) werden hierbei so abgewandelt, dass sie für jeden zugänglich sind. Das kann sitzend im Rollstuhl, auf einem Stuhl, liegend auf einer Matte oder mit Unterstützung von Hilfsmitteln wie Gurten, Blöcken, Kissen oder sogar Assistenzpersonen stattfinden. Es geht nicht darum, sich in eine vorgegebene Form zu zwängen, sondern die Form der Haltung an den eigenen Körper anzupassen, um die Essenz der Übung zu erfahren.
Welche Auswirkungen hat adaptives Yoga generell?
Die Praxis wirkt ganzheitlich auf Körper, Geist und Seele. Da Yoga viel mehr ist als nur körperliche Bewegung, zielt adaptives Yoga stark auf die Verbindung von Atem (Pranayama) und Bewegung ab.
Zu den allgemeinen Auswirkungen zählen:
- Beruhigung des Nervensystems: Tiefe, bewusste Atmung senkt das Stresslevel.
- Förderung der Akzeptanz: Es hilft, Frieden mit dem eigenen Körper zu schließen.
- Bessere Durchblutung: Auch passiv bewegte Körperteile profitieren von einer verbesserten Blutzirkulation.
Warum ist es besonders wichtig für Menschen mit Querschnittslähmung?
Für Menschen mit einer Querschnittslähmung (Paraplegie oder Tetraplegie) bringt der Alltag oft spezifische körperliche und mentale Herausforderungen mit sich. Der Körper, der vielleicht vor einer Verletzung oder Erkrankung anders funktioniert hat, fühlt sich manchmal fremd an. Oft fokussiert sich die medizinische Rehabilitation stark auf das rein Funktionale.
Hier setzt adaptives Yoga an: Es bietet einen sicheren Raum, um den Körper abseits von reinem Funktionstraining oder Therapie wieder positiv zu spüren. Es ist eine Zeit der Selbstfürsorge, die nicht leistungsorientiert ist. Durch den Fokus auf den Atem und die noch vorhandenen Bewegungsmöglichkeiten entsteht eine neue, liebevolle Beziehung zum eigenen Körper.
Positive Effekte von Yoga bei Querschnittslähmung
Die regelmäßige Praxis von adaptivem Yoga kann für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Querschnittslähmung tiefgreifende positive Effekte haben:
- Linderung von Spastiken: Durch sanfte, geführte Dehnungen und Atemtechniken können muskuläre Spannungen und Spastiken oft spürbar gelindert werden.
- Stärkung der Rumpf- und Atemmuskulatur: Gezielte Atemübungen vergrößern das Lungenvolumen. Gleichzeitig wird (je nach Läsionshöhe) die Rumpfmuskulatur aktiviert, was zu einer besseren Sitzstabilität im Rollstuhl führt.
- Verbesserte Körperwahrnehmung (Propriozeption): Auch in Bereichen, in denen das Gefühl eingeschränkt ist, hilft Yoga dabei, mental eine Verbindung zu diesen Körperteilen aufrechtzuerhalten oder neu aufzubauen.
- Entlastung der Schulter- und Nackenpartie: Menschen im Rollstuhl belasten ihre Arme, Schultern und den Nacken im Alltag extrem. Adaptives Yoga bietet gezielte Ausgleichsbewegungen, um Schmerzen und Verspannungen in diesen Bereichen vorzubeugen.
- Mentale Stärke und Resilienz: Yoga schult die Achtsamkeit im Hier und Jetzt. Es hilft dabei, mit Frustration, chronischen Schmerzen oder Ängsten besser umzugehen und emotionale Balance zu finden.
Tipp für den Einstieg: Du musst nicht beweglich sein, um mit Yoga zu beginnen. Alles, was du brauchst, ist dein Atem und die Bereitschaft, dir selbst mit Offenheit zu begegnen.
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Foto von Raspopova Marina auf Unsplash


