Zwei kostenlose Apps für unseren Alltag mit Querschnittlähmung
Wo ist die nächste barrierefreie Toilette? Wo finde ich einen Behindertenparkplatz oder ein Restaurant, das wirklich mit Rollstuhl funktioniert? Und wie lässt sich das eigene Blasen- und Darmmanagement im Alltag besser organisieren?
Für genau solche Fragen hat André Bajorat, der selbst mit Querschnitt lebt, zwei kostenlose Apps entwickelt. Und das Besondere daran: Die Anwendungen entstehen aus seinen eigenen Erfahrungen und können durch das Feedback der Community immer besser werden.
Plötzlich Querschnitt
Andrés Geschichte beginnt lange bevor die erste App entsteht.
Im Juli 2025 ist er mit seiner Tochter in Chicago, als plötzlich Lähmungserscheinungen auftreten. Es folgen Krankenhausaufenthalte und zahlreiche Untersuchungen. Schließlich steht die Diagnose eines kompletten Querschnittsyndroms ab TH10 fest.
Innerhalb kürzester Zeit muss André sich mit einem völlig neuen Alltag auseinandersetzen. Noch im Krankenhaus beginnt er, seine Erfahrungen aufzuschreiben. Aus diesen persönlichen Aufzeichnungen entsteht später sein Blog „Plötzlich Querschnitt“. Dort berichtet André offen über seinen Alltag mit Querschnittlähmung – über Hilfsmittel, Reisen und Sport genauso wie über Barrieren, Rückschläge und Themen wie Blase und Darm.
👉 Plötzlich Querschnitt:
https://ploetzlich-querschnitt.de
Aus eigenen Problemen werden digitale Lösungen
André kommt beruflich aus der digitalen Welt und beschäftigt sich intensiv mit neuen Technologien und KI-Tools. Diese Erfahrung verbindet er inzwischen mit den ganz konkreten Herausforderungen, die ihm seit seiner Querschnittlähmung im Alltag begegnen. Statt nur festzustellen, dass für bestimmte Probleme gute digitale Lösungen fehlen, hat er angefangen, sie selbst zu entwickeln.
So sind inzwischen zwei kostenlose Apps entstanden.
♿ Barrierefrei unterwegs
Wo befindet sich die nächste barrierefreie Toilette? Gibt es in der Nähe einen Behindertenparkplatz? Ist ein Restaurant tatsächlich mit dem Rollstuhl zugänglich? Und welche Unterkunft eignet sich für Rollstuhlfahrer? Genau bei solchen Fragen soll „Barrierefrei unterwegs“ helfen.
Die App bündelt Informationen zu unter anderem:
- barrierefreien Toiletten
- Behindertenparkplätzen
- Restaurants und Cafés
- Hotels und Ferienunterkünften
Dabei greift die Anwendung bereits auf eine große Menge vorhandener Daten zurück. Noch wichtiger ist aber ein anderer Gedanke: Die Nutzer selbst können dazu beitragen, dass die Informationen besser werden. Restaurants und Unterkünfte können ergänzt, Erfahrungen geteilt und beispielsweise Fotos von Eingängen oder Bädern hinzugefügt werden. Damit wächst nicht nur die Datenmenge. Es können vor allem Informationen hinzukommen, die für Rollstuhlfahrer in der Realität entscheidend sind.
André entwickelt die App zudem anhand des Feedbacks der Nutzer laufend weiter. So wurde beispielsweise die Bedienoberfläche bereits nach Rückmeldungen aus der Community vereinfacht.
👉 Mehr zu „Barrierefrei unterwegs“ und zum Download:
🚻 Blasen- & Darmmanagement
Die zweite Anwendung beschäftigt sich mit einem Thema, das für viele Menschen mit Querschnitt zum Alltag gehört, über das aber noch immer viel zu wenig gesprochen wird: Blasen- und Darmmanagement. Mit „Blase & Darm Management“ hat André eine App entwickelt, die dabei helfen soll, das persönliche Management im Alltag zu organisieren und zu dokumentieren. Parallel dazu ist mit blaseunddarm.de ein Informationsangebot entstanden.
Dort bereitet André verschiedene Themen rund um Blase und Darm verständlich auf – beispielsweise Miktionsprotokolle, intermittierenden Selbstkatheterismus, Trinkmengen oder die Bristol-Stuhlformen-Skala. Die Inhalte ersetzen natürlich keine individuelle medizinische Beratung. Sie können aber dabei helfen, sich mit den Themen auseinanderzusetzen und Informationen verständlicher zugänglich zu machen.
Jetzt sind wir als Community gefragt!
Was uns bei MaQe an Andrés Projekten besonders gefällt: Hier entwickelt ein Betroffener Lösungen aus seinem eigenen Alltag heraus und stellt sie anderen kostenlos zur Verfügung.
Und wir können mehr tun, als die Apps einfach nur herunterzuladen. Wir können sie ausprobieren, Feedback geben, Fehler melden, eigene Erfahrungen teilen, Orte ergänzen und Wünsche für die weitere Entwicklung einbringen. Dadurch entsteht im besten Fall ein Kreislauf:
Erfahrungen aus dem Alltag → Idee → digitale Lösung → Community testet → Feedback → bessere Lösung → mehr Nutzen für alle.
Genau deshalb möchten wir solche Projekte innerhalb der MaQe Community sichtbar machen.
Unser Aufruf an euch
Probiert die Apps aus. Gebt André Feedback. Ergänzt eure Erfahrungen. Und erzählt anderen davon. Denn je mehr Menschen aus der Querschnitt-Community ihr Wissen beitragen, desto hilfreicher können solche Angebote für uns alle werden.
👉 Andrés Blog „Plötzlich Querschnitt“:


